Veranstaltungsdokumentation

Zukunft der Familie - Zukunft des Generationenvertrags

Eine Veranstaltung der hessenstiftung – familie hat zukunft,
des AK Soziales und des Forums Gesundheitsstiftungen im Bundesverband deutscher Stiftungen 

am 12. Mai 2016 beim Deutschen StiftungsTag 2016 in Leipzig

Über 100 Interessierte kamen in den großen Saal der Messe Leipzig, in dem am Tag zuvor der Deutsche Stiftungstag 2016 von Bundeskanzlerin Merkel und Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, eröffnet wurde.

Die Veränderung von Familienstrukturen steht in engem Zusammenhang zum Thema des Deutschen StiftungsTages: Der Wandel der Familie beeinflusst den demografischen Wandel und der demografische Wandel beeinflusst die Familie. Unsere Sozialsysteme, die für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen, ersetzen einerseits familiäre Leistungen, andererseits fußen sie auf der Familie, indem sie das Nachwachsen der nächsten Generation voraussetzen.

Die aktuelle Diskussion um die Lebensleistungsrente zeigte erneut, auf welchem schmalen Grat der Generationenvertrag gebaut ist, von dem wir uns im Alter eine auskömmliche Rente erhoffen. Geht es um gezahlte Beiträge wie in einer Versicherung oder um einen Vertrag zwischen den Generationen, bei dem die eine die andere trägt? Dr. Borchert monierte zum wiederholten Mal, dass die Rentenversicherung seit 1957 nicht Versicherung genannt werden dürfe. Sie sei eine ad-hoc-Umlagefinanzierung von der jüngeren für die ältere Generation. Muss ein Generationenvertrag, wenn er nicht in Schieflage geraten will, da enden, wo in den Familien keine Kinder mehr in gleicher Zahl nachwachsen? Der gesellschaftliche Mehrwert von Kindern werde heute sozialisiert, während ein großer Teil der Kosten privatisiert bleibe, führte Dr. Klingholz aus. Prof. Dr. Rüdiger illustrierte eine andere Art Generationenvertrag aus Sicht der Frühgeborenen, die der medizinischen Unterstützung bedürften, gerade damit Eltern sich für sie entschieden.

Wie aber soll andererseits eine individuelle Vorsorge funktionieren? Der Vorschlag der sog. „Deutschlandrente“, den Dr. Kuther im Grußwort ansprach, wurde nicht ausführlich diskutiert. Wohl aber die Gefahren, die damit in Zusammenhang stehen: die Begehrlichkeit des Staates plündert - wie jüngst bei der Rente mit 63 oder der Mütterrente –den Topf, in den eingezahlt wurde, gern auch für weitere Aufgaben.

Anna Braam, Vorstandsmitglied der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, plädierte dafür, die Lebensarbeitszeit an die Lebenserwartung zu koppeln. Erfreulich sei die steigende Lebenserwartung, jedoch bedeute sie für die Sozialsysteme eine Belastung. Diese könne zwischen Jung und Alt geteilt werden, indem je die Hälfte der nach dem 65. Lebensjahr hinzugewonnenen Lebenszeit für Arbeitszeit und Ruhestand aufgewendet würde.

Stiftungen übernehmen als unabhängige Instanz eine verantwortungsvolle Aufgabe in der öffentlichen bis journalistischen Meinungsbildung („Semantisches Großreinemachen“ so Borchert). Stiftungen haben auch eine Bildungsaufgabe: die drohende Altersarmut bekämpfe man nicht durch immer neue Wohltaten für die älter werdenden Wählergruppen, sondern durch gezielte Bildungsinvestitionen für die heranwachsende Generation, so Dr. Klingholz. In der Familien- und Bevölkerungspolitik könnten Stiftungen den gesellschaftlichen Wandel begleiten, der durch das Ende des demografischen Wachstums bevorstehe.

 

Begrüßung

  • Dr. Ulrich Kuther, Bevollmächtigter der Geschäftsführung, hessenstiftung – familie hat zukunft, Bensheim
  • Dr. Susanne Schultz-Hector, Vorstand, Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, Bad Homburg v.d. Höhe; Leiterin des Forums Gesundheitsstiftungen
  • Martin von Essen, Stiftsvorsteher, Evangelisches Johannesstift; Leiter des Arbeitskreises Soziales

Impulsvortrag

Dr. Reiner Klingholz, Geschäftsführer, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Berlin

Diskussion

  • Dr. Jürgen Borchert, Sozialrichter a.D., Darmstadt
  • Anna Braam, Vorstand, Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen
  • Dr. Reiner Klingholz, Geschäftsführender Direktor Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
  • Prof. Dr. med. Mario Rüdiger, Vorstand, Deutsche Stiftung Kranke Neugeborene, Dresden

Moderation: Werner D’Inka, Herausgeber, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt am Main

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v.l. n. r. Dr. Jürgen Borchert, Werner D´Inka, Anna Braam, Prof. Dr. med. Mario Rüdiger und Dr. Reiner Klingholz. Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen