Veranstaltungsdokumentation

Perfekt abgestimmt

Führungskräfte zwischen Karriere und Familie

28. November 2017. Als Botschafter des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“ hatte der Arbeitsdirektor der Fraport AG, Michael Müller, Führungskräfte, Personaler und Fachexperten zu Information sowie vor allem Austausch in Diskussionsrunden an Thementischen eingeladen. Nach Impulsen von Dr. Martin Sonnenschein von A.T. Kearney und Volker Baisch von Väter gGmbH lebte die Veranstaltung von den Thementischen, deren Ergebnisse im anschließenden „Fishbowl“ diskutiert wurden.

Am Thementisch 4 „Wer Mutter oder Vater ist, führt anders“ gab Dr. Ulrich Kuther von der hessenstiftung – familie hat zukunft einen Impuls zum Konzept des „Kompetenzcenters Familie“. Für eine familienbewusste Unternehmenskultur stelle es eine bisher kaum genutzte Chance dar. Das Konzept des „Kompetenzcenters Familie“ zielt auf die Synergien zwischen den Lebensbereichen Familie und Beruf ab. Es geht dabei nicht mehr darum, Interessen über zeitliche Maßnahmen oder Instrumente der Personalentwicklung austarieren zu wollen, sondern darum, Kompetenzen, die an anderem Ort gewonnen wurden, betrieblich nutzen zu können. Gleichzeitig werden familiäre Belange in ein neues Licht gerückt und erfahren ihre Wertschätzung durch das Unternehmen.

Die Kernthese dieses Konzepts besagt, dass jegliche Familienzeit keine betriebliche Auszeit ist, sondern dass Familie den ersten informellen Lernort für betrieblich nutzbare Kompetenzen darstellt. Das gilt für soziale Kompetenzen und Teamkompetenzen ebenso wie für Führungskompetenzen. Vom "Kompetenzcenter Familie" her können alle Themen der betrieblichen Personalpolitik neu durchdekliniert und praktische Lösungen angeboten werden. Die Teilnehmer nannten ihre Beispiele aus der Kindererziehung: Wer seine Kinder mit Konsequenz zu erziehen gelernt hat – über Jahre und mit allen Widerständen, der wird auch seine Mitarbeiter konsequent führen können. Wer zuhause mit widersprüchliche Ansichten umzugehen lernte und sich flexibel jeweils neuen Bedürfnissen stellte, der wird sich auch im Betrieb flexibel auf neue Kundenwünsche einstellen können und sich neue Betriebsabläufe gelassen aneignen.

Aus ihrer Forschung zu Elternkompetenzen konnte Frau Dr. Nina M. Junker von der Goethe Universität Frankfurt am Main berichten. Etwa 80% der Beschäftigten meinen, dass sie aufgrund ihrer Elternaufgaben kompetenter geworden sind. Allerdings glauben nur ca. 40%, dass ihnen das am Arbeitsplatz geholfen hat. Lediglich ca. 20% geben an, dass ihr Vorgesetzter von diesen informell erworbenen Kompetenzen weiß. Es haben auch nur ca. 15% ihre Führungskraft daraufhin proaktiv angesprochen.

Die Personalentwicklung jedes Unternehmens könnte also vom informellen Lernort Familie noch weitaus mehr profitieren, wenn sie ihn eingebunden in regelmäßige Mitarbeitergespräche nutzt. Beschäftigte müssen dann nicht in externe Schulungen geschickt werden, sondern trainieren gleichzeitig „on the job“ und „in family“. Ihnen muss allerding zweierlei erschlossen werden. Erstens zu üben, wie sie die Kompetenzen, die sie als Eltern, im Ehrenamt, beim Sport erworben haben, auch benennen können. Zweitens zu wissen, was diese Kompetenzen mit den betrieblichen Erfordernissen zu tun haben. Gelingt dies, bleibt Familie nicht nur Ort, an dem viele Kompetenzen informell erworben werden, sondern wird zu einem Lernort, an dem Beschäftigte diese auch bewusst trainieren können. Dem Einwand, dass in dieser Sicht von Weiterbildung Beschäftigte ohne Kinder benachteiligt würden, entgegnete Kuther, dass jedes Ehrenamt, jede verantwortliche Tätigkeit in Kirche, Sport oder Verein ebenso als informeller Lernort geeignet ist. Und es war leicht, weitere Beispiele für Trainer an die Stelle der Eltern zu finden, und die erworbenen Führungskompetenzen sprangen ebenso ins Auge.

Zwei praktische Hilfen gaben Dr. Kuther und Dr. Junker den Teilnehmenden mit. Zum einen die Möglichkeit, anhand einer Befragung die eigenen informell erworbenen Kompetenzen zu reflektieren.

Zum anderen gab es für alle die Handreichung „Informelles Lernen“, die auf einem Workshop der hessenstiftung – familie hat zukunft mit KMU zur betrieblichen Nutzung von informell erworbenen Kompetenzen fußt. 

 
Perfekt abgestimmt Tisch 4

Thementisch 4 zur Führungskompetenz von Eltern