Veranstaltungsdokumentation

Neue Vereinbarkeit

Wie Unternehmen Beruf und Familie erfolgreich fördern


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v.l.n.r. Sebastian Trippen, Thomas Reichert, IHK Frankfurt, Dr. Nina Junker, Goethe Universität, Jekatarina Rudolph, Moderatorin/Erfolgsfaktor Familie, Dr. Ulrich Kuther, Hessenstiftung.(©Hessenstiftung, Jens Braune del Angel)

Familie ist in, die Geburtenrate so hoch wie seit den 80ern nicht mehr. Und: nicht nur junge Mütter, sondern auch Väter oder Menschen mit pflegebedürftigen Angehörigen fordern mehr Zeit für ihre Familien.
 
Darauf reagieren Unternehmen in Hessen mit unterschiedlichen Konzepten. Familienfreundlichkeit gehört für viele selbstverständlich zu einer guten Arbeitgebermarke dazu. Aber: Es gibt noch Hausaufgaben. Denn laut einer Jobzufriedenheitsstudie plant derzeit jeder zehnte Arbeitnehmer einen Jobwechsel wegen der Vereinbarkeit.
 
Was können Unternehmen tun? Wie gehen andere in Hessen mit dem Thema um? Wie können beispielsweise auch im Schichtbetrieb flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle funktionieren? Wie können Chefs ihre Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung unterstützen? Oder anders: Wie gelingt sie, die sogenannte „Neue Vereinbarkeit“?
 
Am 7. Dezember 2017 in der IHK Frankfurt am Main, Börsenplatz 4, konnten sich über 60 Teilnehmende informieren und von klugen Beispielen aus der Praxis hessischer KMUs lernen. Für die 12. Veranstaltung in der Kongressreihe „Dialog Beruf & Familie in Hessen“ hatte die hessenstiftung – familie hat zukunft, die vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration unterstützt wird, ein besonders frisches Format ausgewählt: ein Speed-Dating mit zwölf Unternehmen an zwölf Tischen.

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©Hessenstiftung, Jens Braune del Angel

Adacor Hosting GmbH
Die Adacor Hosting GmbH ist ein inhabergeführter deutschlandweit tätiger Cloud- und Hosting-Dienstleister. Ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem sich ein jeder nach seinen persönlichen Bedürfnissen entwickeln kann, beginnt für Adacor mit einer nachhaltigen Unternehmenskultur. Damit insbesondere Frauen nicht in die Lage kommen, sich zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen, bietet das Unternehmen eine Bandbreite an Vereinbarkeitsangeboten. Bei der Veranstaltung möchte Adacor zeigen, dass sich das Investieren in Familie auszahlt: Mit Eltern-Kind-Büros und einer Übernahme der Kinderbetreuungskosten.


B. Braun Melsungen AG
B. Braun ist einer der weltweit führenden Hersteller von Medizintechnik-und Pharmaprodukten sowie Anbieter medizinischer Dienstleistungen. Das nordhessische Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, Rahmenbedingungen für die unterschiedlichsten Lebensmodelle zu schaffen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Beim Speed-Dating berichtet das Unternehmen von den Chancen und Herausforderungen des Modells der „Familienteilzeit“, welches viele Mitarbeiter bereits erfolgreich in Anspruch genommen haben.


Bäckerei Simon
Die traditionelle Bäckerei Simon aus dem Westerwald stellt seit 160 Jahren beste Waren ohne Vormischungen und Fertigmehl her. Für den Handwerksbetrieb mit über 100 Mitarbeitern steht ein wertschätzendes und ehrliches Miteinander an vorderster Stelle. Trotz Schichtbetrieb gelingt es so, flexibel auf die Bedürfnisse der Belegschaft einzugehen. Wichtig ist es auch, in Ausnahmesituationen, zu unterstützen. Auf dem Speed-Dating berichtet ein Bäckermeister, wie sein Arbeitgeber ihm aus einer familiären Krise half.

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©Hessenstiftung, Jens Braune del Angel


connectuu GmbH – der Kooperations-Accelerator
connectuu schafft Raum für Begegnung – Begegnung mit sich selbst, mit anderen und mit frischen Gedanken. In eigenen Formaten, auf Veranstaltungen wie auch unternehmensintern gestaltet das Marburger Unternehmen Vernetzung und Miteinander und coacht zu gelingender Kommunikation. Für connectuu ist Vereinbarkeit eine Grundhaltung und Teil einer menschenorientierten Unternehmenskultur, die intensive Kommunikation und kontinuierliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter erfordert. Beim Speed-Dating berichtet das Unternehmen, wie individuelle Arbeitszeiten und –formen zu stressreduziertem und selbstbestimmtem Arbeiten führen.


EVO – Energieversorgung Offenbach AG
Die EVO AG ist Energieversorger und Entsorgungsunternehmen für Offenbach und die Region. Hier finden die Bedürfnisse von Mitarbeitern und ihren Angehörigen größtmögliche Berücksichtigung. Bei der EVO AG und deren 100%iger Tochtergesellschaft, der ENO GmbH, gibt es daher insgesamt 33 verschiedene Arbeitszeitmodelle in Teilzeit. Auch was die örtliche Präsenz angeht, orientiert sich der Konzern weg von starren Maßnahmen und hin zu einer gelebten Vertrauenskultur: Mit „Mobilem Arbeiten“ können Mitarbeiter und ihre Vorgesetzten entscheiden, ob die Aufgaben an einem anderen Ort erledigt werden können – ein Modell, das gerade für Familien attraktiv ist.


Golükes Ingenieure GmbH & Co.KG
Golükes Ingenieure GmbH & Co.KG ist ein regional tätiges Ingenieurbüro für Siedlungswasserwirtschaft und kommunalen Tiefbau. Bereits seit vielen Jahren arbeitet Golükes daran, die Familiensituation und die damit einhergehenden Belastungen wertschätzend in die eigene Unternehmenskultur einzubeziehen. Dies gelingt durch verschiedene Maßnahmen, die den Mitarbeitern eine hohe Flexibilität ermöglichen. Auch praktische und finanzielle Unterstützung gehört dazu: Das Ingenieurbüro hilft bei der Organisation von Betreuung oder erleichtert die gesunde Mobilität durch eigene „Jobräder“ mit Kinderanhänger! Am 7. Dezember berichtet das Unternehmen davon, wie gelebte Teilzeit und Gleitzeit mit individueller Anpassung gelingen kann.

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Dr. Nina Mareen Junker ©Hessenstiftung, Jens Braune del Angel


Polizeipräsidium Frankfurt am Main
Auch das Polizeipräsidium Frankfurt am Main bietet Familien eine bessere Vereinbarkeit: Maßnahmen wie Kinderbetreuung, Mobiles Arbeiten oder Jobsharing sorgen nicht nur für weniger Fluktuation und eine höhere Zufriedenheit, sondern wirken auch nach außen und stärken die Arbeitgebermarke. Beim Speed-Dating sprechen die Vertreter über Tele- und Netzwerkarbeit – und darüber, wie eine Flexibilisierung des Arbeitsalltags in einer Behörde gelingen kann.


Sparkasse Waldeck-Frankenberg
„Mit Menschen. Für Menschen“: Dieses Motto ist bei dem nordhessischen Kreditinstut fest in der Personalstrategie verankert. Ob Teilzeitangebote, weiterbildende Workshops, familienfreundliche Urlaubsplanung oder Ferienprogramm für Schulkinder – Hier werden Mitarbeiter individuell beraten und unterstützt. Familienfreundlichkeit geht für die Sparkasse deshalb weit über einzelne Maßnahmen hinaus, sondern ist vielmehr Teil einer lebenszyklusorientierten Personalentwicklung, die unter anderem auf langfristige Mitarbeiterbindung und einer guten Unternehmenskultur abzielt.


SOH Stadtwerke Offenbach Holding GmbH
Von der täglichen Versorgung bis hin zu städtebaulichen Großprojekten leistet die Stadtwerke-Gruppe ihren Beitrag zur Daseinsfürsorge in Offenbach. Diese Fürsorge umfasst auch die rund 900 Mitarbeiter in verschiedenen Geschäftsfeldern. Das Unternehmen bietet viele Teilzeit-Varianten an, von denen Azubis ebenso profitieren wie Wiedereinsteiger und Geschäftsführer. Dabei werden die individuellen Wünsche der Beschäftigten weitestgehend berücksichtigt. Die SOH unterstützt außerdem die Kinderbetreuung organisatorisch wie finanziell und geht auf die Urlaubswünsche von Angestellten mit Kindern ein.


Terminal for Kids gGmbH
Terminal for Kids GmbH betreibt Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder im Alter zwischen 8 Wochen und Schuleintritt und bietet Unternehmen die Möglichkeit, Belegplätze zu erwerben. Als Konzerntochter der Fraport AG ermöglicht Terminal for Kids Arbeitnehmern nach der Elternzeit eine frühere und möglichst unkomplizierte Rückkehr an den Arbeitsplatz. Das Kita-Angebot orientiert sich an den Bedürfnissen von (voll-)erwerbstätigen Eltern. Lange Öffnungszeiten und minimierte Schließzeiten sind bei sehr guter Betreuungsqualität mit besonderen Angeboten für die gemeinnützige GmbH selbstverständlich. Terminal for Kids stellt so eine der Grundbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sicher. ür Arbeitgeber ohne betriebseigene Kita bietet das Unternehmen die Möglichkeit Belegplätze zu erwerben.


Huhle Stahl-und Metallbau GmbH, Wiesbaden
Huhle bietet eine Produktpallette, die sich auf eine über 100-jährige Firmengeschichte stützt, und deckt alle Bereiche im Stahl- und Metallbau ab. Das Wiesbadener Unternehmen greift seinen Beschäftigen nicht nur durch eine familienfreundliche Kultur, sondern auch ganz praktisch unter die Arme: Mit dem sogenannten Windelgeld.


MediClin Klinik Bad Wildungen für Akutpsychosomatik und Reha-Zentrum am Hahnberg
Die MediClin betreibt bundesweit 51 Einrichtungen. Hierzu zählen Krankenhäuser (Akut-Bereich), Rehakliniken, Pflegeheime und Medizinische Versorgungszentren. Die Pflege von Angehörigen ist für Berufstätige oft ein Drahtseilakt. Die zusätzliche Belastung führt zu Stress, häufigeren Krankheitstagen und im schlimmsten Fall zu einem Burnout. Um ihre Mitarbeiter in dieser Situation zu unterstützen hat Mediclin einen “Pflege-Guide“ eingeführt.

Zuvor zeigte Dr. Nina Mareen Junker von der Goethe Universität Frankfurt auf, dass für die auf einer familienbewussten Unternehmenskultur fußende „Neue Vereinbarkeit“ eine Chance bisher kaum genutzt wird. Das von ihr vorgestellte Konzept des „Kompetenzcenters Familie“ zielt auf die Synergien zwischen den Lebensbereichen Familie und Beruf ab. Es geht dabei nicht mehr darum, Interessen über zeitliche Maßnahmen oder Instrumente der Personalentwicklung austarieren zu wollen, sondern darum, Kompetenzen, die an anderem Ort gewonnen wurden, betrieblich nutzen zu können. Gleichzeitig werden familiäre Belange in ein neues Licht gerückt und erfahren ihre Wertschätzung durch das Unternehmen. Die Kernthese dieses Konzepts besagt, dass jegliche Familienzeit keine betriebliche Auszeit ist, sondern dass Familie den ersten informellen Lernort für betrieblich nutzbare Kompetenzen darstellt. Das gilt für soziale Kompetenzen und Teamkompetenzen ebenso wie für Führungskompetenzen. Damit ließ sich die Frage aus dem Titel der Keynote, ob Eltern die besseren Führungskräfte sind getrost bejahen. 

 

Veranstalter des Kongresses

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