Aufwachsen von Kindern / Familie und Beruf - Väter

Daddy be cool...…wenn ich einmal Vater bin”

Zeitraum: 2012 - 2015

Kooperationspartner:
Paritätisches Bildungswerk Bundesverband
Stadt Frankfurt am Main

Ziele:
• Durch die spielerische Auseinandersetzung mit aktiver Vaterschaft und Familienarbeit sollen Jungen einerseits für ihre potentielle Vaterrolle sensibilisiert werden und frühzeitig auf die Übernahme eines aktiven Parts in der Familienarbeit vorbereitet werden.

• Durch die einzelnen Module und die Beteiligung aktiver Väter lernen die teilnehmenden Jungen aktive Vaterschaft kennen und setzen sich damit auseinander. Nach der Durchführung eines Moduls werden die gemachten Erfahrungen reflektiert.

Angebot für Jungen ab dem 7. Schuljahr in Kooperation mit einem Gymnasium und einer integrierten Gesamtschule (Schulsozialarbeit) und außerschulischen Bildungsinstitutionen (Institutionen der offenen Kinder- und Jugendarbeit).

Ablauf
Es wurden vier Module entwickelt, um den Jungs aktive Partnerschaft spielerisch nahe zu bringen. Die Module haben zielgruppengerecht einen Umfang von 2 bis 3 Stunden. Sie bestehen aus schulischen und außerschulischen  Praxisanteilen.

Modul 1
Haushaltsparcours - spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema Haushaltsführung

Modul 2
Kochkurs – Haushalt & Versorgung

Modul 3
Kita Besuch – Empathie, Kontakt mit Kindern im Kita Alter, Anerkennung, Wertschätzung

Modul 4
Babywickelkurs – Care und Pflege
Kooperation mit aktiven Vätern in Elternzeit

Grundlage
Laut Jugendstudien (Shell 2010/ Sinus 2012) und Evaluierung des Boys Day (Fachhochschule Frankfurt) können sich Jungen durchaus eine Vaterschaft in ihrem Lebensverlauf vorstellen. Diese Vorstellungen kollidieren jedoch mit den tatsächlichen Anforderungen einer sich verändernden Gesellschaft. Tendenziell können sie sich allerdings vorstellen, für die Erziehung der Kinder in der Partnerschaft gleichberechtigt zuständig zu sein. Bei den Fragen hinsichtlich Care und Haushalttätigkeiten hingegen, sehen die Mehrzahl der Jungen dies als Aufgabe der späteren Lebenspartnerinnen.

Erkenntnisse aus dem Projekt
Die ausführliche Dokumentation kann als PDF heruntergeladen werden.
Im Projekt Daddy be cool 1 wurden 34 Jungen unterschiedlicher Schultypen ab dem 7. Schuljahr  spielerische an eine aktive Partnerschaft herangeführt. Zweidrittel der Jungen hatten dabei einen Migrationshintergrund. Durch die Arbeit in geschlechtshomogenen Gruppen konnten die Jungen sich authentischer und unbeeinflusst durch das, was Mädchen potentiell von ihnen erwarten, mit dem Thema Vaterschaft auseinander setzen. Durch die Beteiligung von Vätern bzw. werdenden Vätern konnten sich die Jungen direkt über deren Empfindungen und Einstellungen zur Vaterschaft austauschen.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Vaterschaft“ hat die Jungen dafür geöffnet, zu thematisieren, was sie beschäftigt. Altersbedingt bewegen die Jungen Themen wie Sexualität und Partnerschaft und damit das Thema „Familie“, wobei auch die Familienarbeit in der Pubertät ein Dauerbrenner für Konflikte der Jugendlichen mit ihren Eltern darstellt.  Bei der Durchführung des Projektes haben bildungsferne Jugendliche Wertschätzung erfahren. Durch Hervorhebung ihrer Kenntnisse oder durch die Herausforderung des Vorlesens in Kitas haben sie sowohl gruppenintern als auch durch die Kinder Bestätigung erfahren.

Pubertäres Konfliktverhalten
Ihr Verhalten in Einzelsituationen hat den Blick auf Empathiepotentiale gerade auch von bildungsfernen Jungen gelenkt, die in Konfliktsituationen eingreifen (Beschützerinstinkt). Andererseits hat sich gezeigt, dass eine starke Hierarchieprägung und Mobbingverhalten in den Jungengruppen existiert. Hier liegt die These nahe, dass die Wortführer auch prägend für das Rollenverhalten in Jungengruppen sind. Im Laufe der Treffen haben sich Konflikte durch Thematisierung und wertschätzende Einflussnahme zugunsten zurückgesetzter Jugendlicher entspannt

Veränderung der Rollenbilder
Im Rahmen des Projektes gelang nur ein kurzer Einblick darauf, wie Rollenbilder bei Jungen geprägt werden. Es konnten kulturell geprägte Sichtweisen nur berührt werden, ebenso wie die Frage danach, wie das Rollenverhalten der Jungen beeinflusst  wird, die in Trennungsfamilien aufwachsen.
These1: Durch z.B. Wechselmodelle bei der Kinderbetreuung erleben Kinder und deren Freunde Väter aktiver in der Familienarbeit.
These2: Durch die Rolle der Mutter als sichtbare „Ernährerin der Familie“ (Alleinerziehende Mütter sind z.B. zu 60% berufstätig) relativiert sich der eigene Anspruch auf Allein-Ernährerschaft bei Jungen. Letzteres ist allerdings auch stark milieuabhängig.