Pressemitteilungen April 2012

Wenn der Partner mitspielt, wird der Wiedereinstieg leichter

Je länger die eigene Elternzeiterfahrung, desto besser unterstützen Väter ihre Partnerin beim beruflichen Wiedereinstieg

Wiesbaden 18. April 2012. Der Übergang von der Partnerschaft zu einer Familie mit Kind bedeutet oft das Ende der ursprünglichen Absicht der Partner, sich familiäre Pflichten und Erwerbsarbeit partnerschaftlich aufzuteilen. Schleichend werden Männer dann zu Familienernährern und Frauen bleiben bei den Kindern zuhause. Eine qualitative Studie im Auftrag der hessenstiftung – familie hat zukunft und des Bundesfamilienministeriums kommt zum Ergebnis, dass der ursprüngliche Lebensentwurf von Frauen und Männern umso leichter aufrecht erhalten bleiben kann, je länger Väter eine eigene Elternzeit in Anspruch nehmen.

„Der Weg aus der Familienzeit ins Erwerbsleben ist nicht immer leicht. 80 Prozent der nicht erwerbstätigen Frauen in Hessen wollen spätestens in den Beruf zurück, wenn die Kinder größer sind. Die Wiedereinstiegsquote liegt aber nur bei 13 Prozent. Wiedereinsteigerinnen brauchen insbesondere die Unterstützung des Partners,“ sagte Staatssekretärin Petra Müller-Klepper aus dem Hessischen Sozialministerium bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Wiesbaden. Die Vorstandsvorsitzende der Hessenstiftung weiter: „Wenn sich die Partner rechtzeitig auf ihre Rollenaufteilung verständigen und Mütter auch im Erwerbsleben und Väter auch in der Familienarbeit anerkannt werden, wird der berufliche Wiedereinstieg von Frauen erfolgreich verlaufen.“ Darüber hinaus seien unterstützende Angebote der Kinderbetreuung und Verständnis des Arbeitgebers wichtig. Die Landesregierung leiste einen wichtigen und erfolgreichen Beitrag durch das Netzwerk Wiedereinstieg, das Frauen mit Qualifikations- und Vermittlungsangeboten die Rückkehr ins Erwerbsleben erleichtere.

„Eine vollzeitnahe und qualifikationsadäquate Rückkehr nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung gelingt leichter und besser mit aktiver Unterstützung der Ehemänner“, bekräftigte Eva-Maria Welskop-Defaa, Leiterin der Abteilung Gleichstellung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zusammen mit der Hessenstiftung hatte das Bundesministerium den Blick auf die Männer beim beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin gelenkt.

Der Autor der gemeinsam geförderten Studie „Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin“, Hans Georg Nelles stellte vor einem Fachpublikum die Hauptaussagen vor. „Väter sind bereit, Veränderungen im Familiensystem beim Wiedereinstieg der Partnerin mitzutragen und gegebenenfalls ihre eigene Arbeitszeit zu reduzieren. Allerdings muss diese Bereitschaft rechtzeitig abgerufen werden“, erläuterte Nelles. Wesentlich sei die Bereitschaft der Partnerin, ihre Verantwortung für das Familieneinkommen zu übernehmen. Ein Wiedereinstieg „auf Probe“ etwa mit geringer Stundenzahl sei kein Signal der Verantwortungsübernahme.

Befragt hatte Hans-Georg Nelles in der Studie drei Gruppen mit jeweils mindestens zwölf Vätern, die wie folgt zusammengesetzt waren:
• Väter ohne eigene Elternzeiterfahrung und mit einer Partnerin, die bereits in den Beruf zurückgekehrt ist,
• Väter mit zwei Monaten Elternzeiterfahrung und
• Väter mit einer Elternzeiterfahrung von mehr als sechs Monaten sowie Väter, die schon über 38 Jahre alt waren oder die Elternzeit erst beim zweiten oder dritten Kind in Anspruch genommen haben.

Bei den Vätern, die keine Elternzeit oder lediglich zwei Monate in Anspruch genommen haben, waren die Partnerinnen länger, d.h. bis zu fünf Jahren in Elternzeit. In dieser Gruppe ging die Initiative zum Wiedereinstieg ging von der Partnerin aus und Regelungen wurden relativ kurzfristig abgesprochen. In der Gruppe der Väter mit längeren Elternzeiten stand der Zeitpunkt des Wiedereinstiegs der Partnerin schon vor Beginn der Elternzeit fest und wurde vom Partner durch die eigene Elternzeit und vielfach auch durch eine Reduzierung der Arbeitszeit im Anschluss daran unterstützt. Eine Reduzierung der eigenen Arbeitszeit um 25 Prozent für eine Dauer von drei bis sechs Monaten wurde von den Befragten als machbar eingeschätzt.

Bei der Aufgabenteilung in den Partnerschaften zeigt es sich, dass diese in der Gruppe der Väter mit längeren Elternzeiten auch weiterhin gleichmäßiger gemäß der getroffenen Absprachen verteilt blieb. Die Entscheidung der Väter, mehr Verantwortung im häuslichen Bereich zu übernehmen, wird durch einen frühen Rückkehrzeitpunkt der Partnerin in den Beruf beeinflusst.

Das Fachpublikum diskutierte im Anschluss an die Vorstellung der Studie die Vorschläge für politische Maßnahmen. Weil der Elternzeit der Väter eine Schlüsselstellung auch für den Wiedereinstieg der Partnerin zukommt, wäre eine Weiterentwicklung sinnvoll. Die Regelung zu den sogenannten „Partnermonaten“ könnte von zwei Monaten bis auf die Hälfte der Elternzeit heraufgesetzt werden. In Ergänzung zur Elternzeit wurde eine Partnerzeit diskutiert, die einen Anspruch beinhalten sollte, die eigen Arbeitszeit auf bis zu 50 Prozent für die Dauer von drei bis sechs Monaten zu reduzieren, ohne dadurch den ursprünglichen Stellenanspruch zu verlieren. Jenseits weiterer gesetzlicher oder betrieblicher Regelungen zur Teilzeit, Lebensarbeitszeit oder Wiedereinstiegsprogrammen wurde die Förderung einer Anerkennungskultur betont. So dürfe es sich für Unternehmen nicht lohnen, kinderlose Beschäftigte gegen die mit Kindern auszuspielen. Die hessenstiftung –familie hat zukunft, die das Fachgespräch zur Vorstellung der Studie „Väter und Wiedereinstieg der Partnerin“ veranstaltete, setzt mit ihrem Programm „Väter in Familie und Beruf“ Akzente zur Anerkennung eines neuen Rollenbildes von Männern. Sie will Väter motivieren, Erziehungs- und Familienarbeit zu übernehmen, und Unternehmen überzeugen, dass familienorientierte Personalpolitik sich nicht allein an Frauen richtet.

Bildungslunch "Väter und Wiedereinstieg der Partnerin"

v.l.n.r. Doro Wiebe (Moderation), Anke Paul (Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit), Eva-Maria Welskop-Deffaa (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Petra Müller-Klepper (Hessisches Sozialministerium)