Pressemitteilungen Mai 2018

GenerationenWerkstatt aus Sicht unserer First Lady

24. Mai 2018. Die Ursachenstiftung hat ein Interview mit Elke Büdenbender, Frau unseres Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, über die „GenerationenWerkstatt“ veröffentlicht.

Frau Büdenbender, als Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung haben Sie die Unterstützung von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf als ihren Schwerpunkt ausgewählt. Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?
Ich wünsche mir, dass alle jungen Menschen ihr Leben so leben können, wie sie es sich vorstellen und wie es ihren Interessen und Talenten entspricht. Ich möchte, dass junge Menschen gerade im Vorfeld dieser großen Entscheidung an die Hand genommen und darin bestärkt werden, ihren Weg zu gehen und nicht den, den die Gesellschaft oder die Eltern sich für sie wünschen. So wird es den Jugendlichen ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, das sie erfüllt, weil sie das machen, was ihnen Freude bereitet und worin sie gut sind. Eltern spielen da eine wichtige Rolle.

Was interessiert Sie an der „GenerationenWerkstatt“ der Ursachenstiftung Osnabrück? Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an diesem Projekt?
Ich finde die Idee einfach großartig, dass die „Un-Ruheständler“ ihre Erfahrungen in der Berufswelt mit jungen Menschen in diesem Projekt teilen. Ich glaube, dass es ein großer Vorteil ist, dass diese älteren Menschen nicht die Lehrer und die Eltern der Jungen sind, sondern quasi „neutral“. Bei ihnen gibt es keine Erwartungen im Hinblick auf gute Noten oder ähnliches, sondern sie nehmen sich einfach Zeit für die Jungs und zeigen ihnen, was sie gelernt haben. Das ist toll und ganz sicher bereichernd für beide Seiten!

Der Trend zum Studium hält weiterhin an, während in den Unternehmen die Auszubildenden fehlen. Was können Gesellschaft und Politik tun, um diese Schieflage ins Gleichgewicht zu bringen?
Es muss vor allem der beruflichen Bildung im Reden und im Handeln mehr Wertschätzung entgegen gebracht werden. Das Studium ist natürlich auch eine tolle Sache, wenn ein junger Mensch das wirklich gern machen möchte. Er – oder sie – sollte aber nicht nur studieren, weil das in der Gesellschaft gerade mehr Ansehen hat und von ihm oder ihr scheinbar erwartet wird. An dieser Stelle müssen auch die Eltern mitwirken. Sie sollten die ersten sein, die ein Interesse daran haben, dass ihr Kind seinen eigenen Weg geht. Den Weg, der das Kind glücklich macht und erfüllt, weil es hier seinen Interessen und Stärken entsprechend leben kann. Nicht den Weg, der die Eltern glücklich macht.

Das Projekt „GenerationenWerkstatt" konzentriert sich auf die Förderung von Jungen im Alter von 12 bis 15 Jahren. Daran gibt es von verschiedenen Seiten immer wieder Kritik. Wie ist Ihre Meinung zur Fokussierung auf die Jungen?
Ich finde sie völlig in Ordnung. Es gibt ja auch Projekte, die gezielt Mädchen fördern. Manchmal ist ein Engagement einfach effektiver, wenn man einen Fokus setzt. Und häufig sind es eben auch die Jungen, die sich weniger Gedanken machen und weniger Vorstellung von der Zukunft haben. Da kann es sehr hilfreich sein, von der älteren Generation an die Hand genommen und angeleitet zu werden. Zwischen zwölf und fünfzehn Jahren, das ist eine Zeit, in der vieles in den jungen Menschen vorgeht und in der einige wichtige Entscheidungen für das weitere Leben getroffen werden müssen.

In einer Vielzahl der Projekte engagieren sich ältere, gestandene Handwerker ("Un-Ruheständler“) für die Jungen. Keine Pädagogen, sondern Praktiker. Sie arbeiten mit den Jungen an handfesten Projekten und zeigen Ihnen - häufig zum ersten Mal in ihrem jungen Leben - was in ihnen steckt. Warum fragt unser Bildungssystem solche praktischen Begabungen so gut wie nie ab?
Leider ist es nach wie vor so, dass unser Bildungssystem vor allem auf die kognitiven Leistungen schaut. Fächer wie Kunst, Musik, Sport, Werken o.ä. werden eher als Randfächer gesehen, bei denen es auch nicht so schlimm ist, wenn sie mal ausfallen. Dass aber auch haptische Erfahrungen zur gesunden Entwicklung eines Menschen beitragen, wird da oft vergessen. Außerdem wird allzu oft verkannt, wie wichtig es ist, dass Menschen etwas tun, das ihnen entspricht. Ein Mensch, der in seinem Tun nicht aufgeht, wird auf Dauer nicht glücklich sein. Und es ist eben nicht jeder fürs Studieren gemacht. Er oder sie muss dann vielleicht eher etwas mit den Händen machen. Und das ist nicht nur gut so, sondern auch wichtig. Der Fachkräftemangel in vielen Bereichen belegt, dass wir auch diese Menschen für eine funktionierende Gesellschaft brauchen.

Interview: Regine Hoffmeister, Pressereferentin der Ursachenstiftung

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Bild: © Bundesregierung/Steffen Kugler