Pressemitteilungen Februar 2011

Betriebsräte in der Krise

Hessenstiftung und Frankfurter Rundschau stellen Ergebnisse der Online-Umfrage vor

Frankfurt am Main, 15.02.2011. Welche positiven Beiträge leisten Betriebsräte für die Zukunft der Unternehmen? Was waren die Schwerpunkte der Betriebsratsarbeit in der Krise? Mit einer Online-Umfrage „Betriebsräte zur Krisen- und Zukunftsbewältigung“ bei den Betriebsräten selbst und den Arbeitnehmern waren die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Frankfurter Rundschau, die hessenstiftung – familie hat zukunft und die IGS Organisationsberatung GmbH diesen Fragen nachgegangen. Der Auswertung liegen die Daten von 110 Arbeitnehmern aus Unternehmen vor. Das Ergebnis ist durchwachsen: Bei den drängenden Maßnahmen zur Krisenbewältigung haben die Betriebsräte gut und aktiv, teilweise proaktiv mitgewirkt, bestätigen ihnen ihre Arbeitnehmerkollegen. Ganz anders sieht es aber bei den längerfristigen strategischen Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Weiterbildung und Familienorientierung aus. Hier klafft nicht nur eine signifikante Lücke zwischen Eigen- und Fremdbild. Hier erwarten die Belegschaften auch durchaus ein stärkeres Engagement ihrer Betriebsräte über die klassischen Maßnahmen hinaus.

Die Frankfurter Rundschau resümierte: „Wir verstehen, dass die Krisenbewältigung bei den Betriebsräten in den letzten zwei Jahren im Vordergrund gestanden hat. Das war bei den Unternehmensführungen nicht anders. Überrascht hat uns aber doch, wie weit bei den strategischen Zukunftsthemen die Erwartungen der Arbeitnehmer über die klassischen Maßnahmen hinausgehen, an denen sich Betriebsräte immer noch orientieren“, sagte Stefan Kuhn, Ressortleiter RheinMain & Hessen der "Frankfurter Rundschau".

Die Unternehmen haben zum großen Teil die negativen Folgen der Wirtschaftskrise überwunden. 60 Prozent aller Befragten beurteilten die heutige Lage ihrer Unternehmen als „eher gut“ ist. Dabei waren 62 Prozent „eher negativ“ von der Wirtschaftskrise betroffen. Bei drei Viertel der Unternehmen äußerte sich die Wirtschaftskrise in organisatorischen Umstrukturierungen, bei jeweils 60 Prozent in Stellenabbau und einer strategischen Neuausrichtung. Die Betriebsräte hatten nach eigenen Angaben dabei zu 80 Prozent die Nutzung von Arbeitszeitkonten und Überstundenabbau angestoßen, aber natürlich auch bei anderen Maßnahmen wie Kurzarbeit mitgewirkt. Dieses Selbstbild der Betriebsräte bestätigten ihre Arbeitnehmerkollegen.

Welche Rolle spielt der Fachkräftemangel im Zuge der Wirtschaftskrise? Für zwei Drittel der Befragten hat der Fachkräftemangel in Zukunft eine stärkere Bedeutung. Bei nur 43 Prozent der Befragten werden in deren Unternehmen Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel umgesetzt. Es werden vor allem Aus- und Weiterbildung genannt – zu je 25 Prozent. Die befragten Betriebsräte geben zu fast zwei Drittel an, das Thema angepackt zu haben. Sie verfolgten vor allem ganz klassisch die Erhöhung der Anzahl der Auszubildenden – zu 20 Prozent. Jedoch sagen 70% der Teilnehmer, die nicht Mitglied eines Betriebsrates sind, dass der Betriebsrat in ihrem Unternehmen das Thema Fachkräftemangel nicht angegangen ist.

Welche Rolle spielt das Thema Familienfreundlichkeit als Instrument gegen den Fachkräftemangel? Zwei Drittel aller Befragten geben an, dass sich ihr Arbeitgeber mit Familienfreundlichkeit auseinandersetzt. Insgesamt vermutet über die Hälfte der Befragten eine steigende Inanspruchnahme der familienfreundlichen Angebote seitens der Väter. Der Anteil der Betriebsräte, die das Thema Familienfreundlichkeit als „wichtig“ und „sehr wichtig“ empfinden, ist geringer (69,8 Prozent), als der Anteil der Nicht-Betriebsräte, die dem Thema hohe Wichtigkeit zusprechen (85,1 Prozent). Die Aussagen der Betriebsräte und der Teilnehmer, die die Arbeit ihrer Betriebsräte beurteilen, sind auch in diesem Punkt konträr: 57 Prozent der Betriebsräte geben an, das Thema initiiert zu haben, vor allem durch den Ausbau der Kinderbetreuung (35 Prozent). Hingegen sagen 56 Prozent der Nicht-Betriebsräte, dass das Thema in Ihrem Unternehmen nicht vom Betriebsrat vorangetrieben wurde. „Väterfreundlichkeit im Betrieb ist die Nagelprobe, ob der Rollenwandel für die Mitarbeiterbindung verstanden wurde“, kommentierte Ulrich Kuther, Geschäftsführer der Hessenstiftung, die immer stärkere Wahrnehmung von Vätern beim Thema Familienfreundlichkeit.

Welche Rolle spielt das Thema Weiterbildung als Instrument gegen den Fachkräftemangel? 89 Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem Unternehmen Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter angeboten werden. Darüber hinaus wird zukünftig eine noch höhere Bedeutung von über der Hälfte der Befragten vermutet. In den befragten Unternehmen werden vor allem unternehmensinterne wie externe Seminare und Informationsveranstaltungen angeboten. In der Nutzung der Weiterbildungsangebote durch unterschiedliche Altersgruppen lässt sich eindeutig eine abfallende Tendenz feststellen: die jüngeren nutzen die Angebote deutlich stärker als die älteren Arbeitnehmer.