Pressemitteilungen Januar 2011

Barometer Familienfreundlichkeit

Gemeinsame Broschüre von Hessenstiftung und VhU dokumentiert Mentalitätswandel und zeigt Handlungsbedarfe auf

Wiesbaden, 18. Januar 2011. Die hessenstiftung – familie hat zukunft und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) haben heute ein neues Monitoring-Instrument für den Mentalitätswandel in Richtung „Familienfreundlichkeit“ vorgestellt. Das „Barometer Familienfreundlichkeit – für eine gemeinsame Strategie von Politik und Wirtschaft“, ist das Ergebnis von drei Jahren gemeinsamer Arbeit.

„Es ist das Ziel hessischer Familienpolitik, die Familien zu stärken und ihnen Mut zu machen, ihr Leben selbstständig zu gestalten. Dabei wollen wir sie tatkräftig unterstützen“, erklärte der Hessische Sozialminister und Beiratsvorsitzende der Hessenstiftung Stefan Grüttner. Daran hätten der Ausbau der Kinderbetreuung, die Einrichtung von Familienzentren, die Familienkarte Hessen und viele andere Initiativen ihren Anteil. „Nur mit starken Familien gibt es ein starkes Hessen. Gerade das Bewusstsein über die Wichtigkeit des Themas Fachkräftebedarf und Familienfreundlichkeit ist in immer mehr Unternehmen vorhanden“, so Grüttner weiter. „Durch die demografische Entwicklung bekommt das Thema Fachkräftebedarf eine immer größere Bedeutung. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhält dadurch einen ganz neuen Schub. Das ist besonders wichtig, damit Hessen auch weiterhin ein familienfreundliches Land ist.“

„Vor zehn Jahren stand Familienfreundlichkeit als weiches Thema nur bei wenigen vorausschauenden und sozial engagierten Unternehmen auf der Agenda. Heute haben die meisten Unternehmen erkannt, dass sie familienfreundliche Angebote und Strukturen brauchen, wenn sie sich im Wettbewerb um die knapper werdende Ressource Fachkräfte behaupten wollen“, ergänzte Fraport-Chef Dr. Stefan Schulte als Mitglied des VhU-Präsidiums. Damit sei die neue Aufgabe jedoch noch lange nicht gelöst. Jetzt starte die zweite Phase, in der Verantwortlichkeiten klar zugeordnet, neue Programme, vor allem aber auch neue Strukturen eingerichtet werden müssten. Denn neue Themen könne man nicht in alten Strukturen angehen. Sie fordere das Personalmanagement der Unternehmen strategisch und die direkten Vorgesetzten operativ. Schulte verwies auf die familienfreundlichen Arbeitszeitregelungen der Fraport, die Beteiligung an zwei Kindergärten und die Notfallbetreuung Kinderhotel rund um die Uhr. Fraport biete außerdem umfassende Beratung von Elternzeit bis zur Pflege Älterer.

„Die Haltung eines Unternehmens zur Familienfreundlichkeit wird vor allem in den Aufsichtsgremien festgelegt. Mehr Frauen in Aufsichtsräten werden daher auch zu mehr Familienfreundlichkeit der Unternehmen führen“ unterstrich Dr. Claudia Nagel, die hessische Landesvorsitzende des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU).

Die neue Datenbank des VdU begegne dem gängigen Argument, dass es nicht genügend qualifizierte Frauen für derartige Positionen gäbe. Eine Selbstverpflichtungserklärung der Wirtschaft, die von sich aus das Potential erkennt, das in gemischten Gremien und in der zusätzlichen Kompetenz von Frauen steckt, wäre hierzu ein geeigneter Weg. Eine Quote könne nur eine Übergangslösung darstellen. Den Frauen empfahl sie, Wettbewerb, den es natürlicherweise auf dem Weg in derartige Positionen gibt, weniger existenziell, sondern spielerischer zu begreifen, wie es die meisten Männer schon immer praktizierten.

Die wichtigsten Ergebnisse aus den Befragungen sind: Berufstätige Väter und Mütter wollen vor allem mehr flexiblere Arbeitszeitmodelle, mehr Möglichkeiten für Heimarbeit und bessere Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Unternehmer, die zu den Gewinnern gehören, machen maßgeschneiderte Angebote. Wenn sie es nicht tun, lösen Arbeitnehmer Konflikte zwischen Beruf und Familie durch einen teilweisen Rückzug aus dem Berufsleben. Dies gilt nicht nur für Mütter, sondern zunehmend auch für Väter. Solche Angebote müssen nicht immer groß dimensioniert sein. Es muss nicht immer gleich der große Betriebskindergarten sein. Manchmal genügt auch schon die größere Rücksichtnahme aller Beteiligten – also im Alltag gelebte Akzeptanz - oder die Organisation eines Betreuungsnetzwerks. Gerade mittelständische Unternehmen können sich hier durch pragmatische Lösungen, die schnell auf die aktuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter reagieren, einen Ruf als attraktiver Arbeitgeber erwerben.

Obwohl das Thema „Fachkräftebedarf“ bei den Unternehmensleitungen einen hohen Stellenwert hat, ist die konsequente Umsetzung auf allen Ebenen des Unternehmens und die Verankerung von „Familienfreundlichkeit“ in der Unternehmenspraxis nach wie vor für das Gros der Unternehmen eine Herausforderung. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg erarbeiten, in jedem Fall aber die Verantwortlichen, die konkreten Ziele und die Kompetenzen bei der Bearbeitung der Herausforderung „Fachkräftebedarf“ klar definieren. Die Personalleitungen haben noch nicht in allen Fällen erkannt, dass Familienfreundlichkeit ein strategisches Zukunftsthema ist, das sie aktiv gestalten müssen. Die Broschüre möchte erreichen, dass Personaler dieses Thema als Chance begreifen.